Am 28. Oktober 2026 hat Shopify die Fall ’26 Edition „Exponential“ vorgestellt, auf Deutsch „Herbst ’26“. Zweimal im Jahr bündelt Shopify seine Neuerungen in einer solchen Edition, diesmal sind es laut Shopify mehr als 150. Im Mittelpunkt stehen KI-Agenten: Kund:innen sollen in ChatGPT, Gemini oder Claude Produkte finden und direkt dort bezahlen. Sidekick, der KI-Assistent im Shopify-Admin, soll ganze Aufgaben übernehmen statt nur Fragen zu beantworten.

Nicht alles davon kommt sofort in Deutschland an. Manches startet zuerst in anderen Ländern, anderes ist noch im Early Access oder kommt erst nach Black Friday. Wir haben die Ankündigungen deshalb für Shops in Deutschland sortiert: was ihr jetzt nutzen könnt und was noch dauert. Stand: 2. November 2026.

Einkaufen in ChatGPT, Gemini und Co.

Für den Einkauf über KI-Assistenten hat Shopify drei Neuerungen angekündigt:

  • shop.md: eine Erweiterung für ChatGPT, Claude und andere Agenten. Damit durchsuchen sie die Produkte von Shopify-Shops, laut Shopify mehr als eine Milliarde, und bezahlen per Shop Pay.

  • Shop Pay in KI-Assistenten: Bezahlen direkt im Chat, zum Start in Muse von Meta, Claude Duet und Instinct.

  • Google-Suche und Gemini: Verkaufen im KI-Modus der Google-Suche und in der Gemini-App, der Checkout läuft über Shopify.

Diese Kanäle richten sich bisher an Kund:innen in anderen Ländern. Der Kauf über Google und Gemini startet für Kund:innen in den USA, Kanada und Australien, ChatGPT und Microsoft Copilot sind auf Kund:innen in den USA ausgerichtet. Deutschland nennt Shopify bei keinem dieser Kanäle. Bei Google und ChatGPT zählt allerdings das Land der Kund:innen, nicht der Sitz des Shops. Verkauft ihr in diese Länder, könnt ihr also schon mitmachen. Für berechtigte Shops ist das standardmäßig eingeschaltet, steuern lässt es sich im Admin unter den Vertriebskanälen im Bereich „Agentic“.

Die Vorbereitung lohnt sich trotzdem, denn Agenten können nur empfehlen, was sie über euren Shop wissen:

  • Catalog-Status prüfen: Im selben Bereich seht ihr, wie viele eurer Produkte im Shopify Catalog sind, aus dem die Agenten ihre Produktdaten beziehen. Steht dort „Ineligible“, zeigt ein Klick den Grund. Jedes Produkt braucht unter anderem einen Titel, ein Bild, einen Preis und eine eigene Produkt-URL. Manche Kategorien nimmt Shopify grundsätzlich nicht auf, etwa Alkohol, Tabak, CBD und Medizinprodukte.

  • Geschäftsdaten freigeben: Seit dem 26. Oktober gibt es dort auch eine Knowledge Base mit Fakten über euren Shop, etwa Rückgabefrist, Versandländer oder Geschenkservice. Shopify liest sie aus Shop und Admin aus. Was Shopify auf eurer Website findet, geht erst nach eurer Freigabe an Agenten. Angaben aus dem Admin wie Richtlinien und Kontaktdaten sind sofort veröffentlicht. Die Seite ersetzt die bisherige Knowledge-Base-App, die nach dem 15. Januar 2027 nicht mehr zur Verfügung steht.

  • Produktdaten vervollständigen: GTINs, saubere Varianten und Vergleichspreise. Streichpreise reicht Shopify inzwischen automatisch an Agenten weiter, und pro Variante sind jetzt bis zu 20 Barcodes möglich.

Sidekick erledigt ganze Aufgaben

Shopify hat Sidekick neu gebaut. Der Assistent rechnet, schreibt Code, sucht im Web und merkt sich, was ihr ihm erklärt. Auf Deutsch funktioniert er schon seit 2025. Neu ist vor allem, dass er mehrere Schritte am Stück abarbeitet. Ihr beschreibt eine Aufgabe, etwa neue Beschreibungen für alle Produkte einer Kollektion, und Sidekick sammelt die Entwürfe. Ihr prüft sie und veröffentlicht bis zu 50 Änderungen auf einmal. Ohne eure Freigabe ändert er nichts.

Dazu kommen getestete Vorschläge. Bevor Sidekick eine Änderung am Theme empfiehlt, spielt er sie mit SimGym durch, einer Simulation mit KI-Käufer:innen. Echte Kund:innen bekommen davon nichts mit. Diese Vorschläge sehen bisher nur manche Shops: Sie brauchen aktuelle Verkäufe und ein Live-Theme, das mit Canvas funktioniert, und getestet wird nur die Desktop-Ansicht. Eine Simulation ersetzt keinen A/B-Test mit echten Bestellungen. Sie kann aber helfen, schwache Ideen auszusortieren, bevor ihr Zeit in einen Test steckt.

Rollouts: Aktionen planen und testen

Rollouts gibt es seit dem Frühjahr, ab dem Basic-Plan. Damit plant ihr Änderungen als Paket, das zu einem festen Zeitpunkt live geht. Neu ist, dass auch Preise und Rabatte hineinpassen. Ein Rollout bündelt jetzt eine Theme-Änderung, die Einstellungen für Checkout und Kundenkonten, Preise und Verfügbarkeiten pro Markt und bis zu 250 Rabatte.

Für Black Friday legt ihr zum Beispiel ein Event an: Banner im Theme, Rabatte und reduzierte Preise, Start am Freitag um 0 Uhr, Ende nach Cyber Monday. Am Enddatum stellt Shopify alles automatisch zurück, niemand muss nachts am Admin sitzen. Läuft das Event für alle Besucher:innen, gelten Preise und Rabatte auch in Headless-Shops, im Laden mit Shopify POS und in den Produktfeeds für Google und YouTube. Änderungen an Theme und Checkout wirken nur im Onlineshop.

Statt eines Events könnt ihr ab dem Grow-Plan ein Experiment anlegen. Dann sieht ein Teil eurer Besucher:innen das Paket, standardmäßig die Hälfte, und ihr vergleicht die Ergebnisse. Experimente laufen nur im Onlineshop. So testet ihr ganze Aktionen gegeneinander, etwa zwei Rabattstaffeln. Für Tests einzelner Elemente, zum Beispiel der Bildreihenfolge auf der Produktseite, arbeiten wir weiter mit einem spezialisierten Testing-Tool. Wie wir dabei vorgehen, steht auf unserer Seite zum A/B-Testing.

Checkout: eigene Felder erst nach Black Friday

  • Eigene Felder: Lieferhinweise und Geschenknachrichten fragt ihr künftig direkt im Checkout ab, ohne App. Plus-Shops bekommen weitere Feldtypen. Laut Shopify erscheinen die Felder nicht vor oder während Black Friday und Cyber Monday, danach automatisch im Checkout-Editor.

  • Zahlungsarten als Kacheln: Statt einer Liste mit Auswahlknöpfen zeigt der Checkout die Zahlungsarten als kompakte Kacheln, unter anderem nur dann, wenn ein Shop höchstens vier anbietet. Shopify rollt das nach und nach aus.

  • Später: ein kompakteres Formular mit klareren Fehlermeldungen, eine Animation nach dem Kauf und Apple Pay per QR-Code für alle, die in Chrome, Edge oder Firefox einkaufen.

Schon geändert hat sich der untere Rand des Checkouts. Seit dem 26. Oktober steht dort nur noch ein Link, der alle Richtlinien in einem Fenster öffnet. Plus-Shops können den Bereich ausblenden und eigene Links setzen. Schaut einmal nach, ob eure Rechtstexte dort vollständig erscheinen.

Canvas: neuer Editor, noch im Early Access

Canvas zeigt alle Seiten eures Shops auf einer Fläche. Ihr zoomt in einzelne Bereiche und gestaltet sie gemeinsam mit Sidekick. Bisher ist Canvas nur für ausgewählte Shops freigeschaltet, nach welchen Kriterien, sagt Shopify nicht. Den bisherigen Theme-Editor ersetzt es noch nicht.

Bevor ihr Canvas ausprobiert, solltet ihr die Grenzen kennen. Es funktioniert mit Themes von Shopify und mit individuell entwickelten Themes, nicht mit Themes anderer Anbieter aus dem Theme Store. Ein Theme, das ihr in Canvas anlegt, lässt sich danach nur noch dort bearbeiten. Es bekommt keine Theme-Updates, App-Blöcke und App-Einbettungen funktionieren darin nicht, und Anpassungen pro Markt sind nicht möglich. Für Shops, die viele Apps im Theme nutzen, ist Canvas deshalb noch keine Option.

Unter Canvas liegt eine neue Theme-Architektur, die Shopify als Developer Preview veröffentlicht hat. Bestehende Themes laufen unverändert weiter.

Für Headless-Shops und Apps

Hydrogen, Shopifys Baukasten für Headless-Shops, gibt es seit Mitte Oktober in neuer Form. Bisher war Hydrogen ein eigenes Framework, jetzt ist es eine Bibliothek, die auch in anderen Frameworks läuft, etwa in Next.js oder mit Vue. Sie übernimmt, was jeder Headless-Shop braucht: Warenkorb, Kundenkonten, Suche, Länder und Währungen, Shop Pay. Vercel hat dazu Vercel Shop veröffentlicht, eine offene Vorlage für Next.js. Bestehende Hydrogen-Shops laufen weiter, der Umstieg ist freiwillig.

Shops mit Liquid-Theme und mit dem neuen Hydrogen stellen KI-Agenten im Browser außerdem automatisch Werkzeuge bereit (WebMCP). Damit suchen Agenten Produkte, füllen den Warenkorb und gehen zur Kasse. Bezahlt wird erst, wenn die Käufer:innen zugestimmt haben. Bisher unterstützen das nur Chromium-Browser wie Chrome. Für eigene Headless-Frontends ohne Hydrogen beschreibt Shopify keinen solchen Automatismus.

Für Shopping-Apps ist am 28. Oktober das Checkout Kit in Version 4 erschienen, mit dem Apps den Shopify-Checkout einbetten. Die App erfährt jetzt bei jedem Schritt, was im Checkout passiert, und Tracking-Pixel laufen direkt im Checkout. Der Umstieg ist kein reines Update, weil sich Paketnamen und Ereignisse geändert haben. Mehr dazu auf unseren Seiten zu Shopify Headless und zur Shopping-App für Shopify.

Eine Frist für ältere Apps

In der Edition steht auch eine Umstellung, die viele Shops mit Liquid-Theme betrifft. Script Tags sind ein älterer Weg, über den Apps JavaScript in den Shop laden. Seit dem 1. Oktober 2026 können Apps keine neuen mehr anlegen, bestehende laufen weiter. Ab dem 1. März 2027 lädt Shopify sie im Shop nicht mehr. Nutzt eine eurer Apps noch Script Tags, fehlt dieser Teil der App danach in eurem Shop.

Fragt bei den Anbietern eurer Apps nach, ob sie umgestellt haben. Der neue Weg führt über App-Einbettungen, die ihr im Theme-Editor pro Theme aktiviert. Apps, die direkt im Shopify-Admin erstellt wurden, können solche Einbettungen nicht anbieten. Ihre Skripte gehören dann direkt ins Theme. Den genauen Zeitplan beschreibt Shopify in der Entwicklerdoku.

Kleinere Neuerungen für den Alltag

  • Varianten auf der Produktseite: Produkt und Varianten bearbeitet ihr künftig gemeinsam, auch mehrere Varianten auf einmal. Plus-Shops können das jetzt schon einschalten und werden am 12. Dezember umgestellt, die übrigen Pläne folgen ab Dezember nach und nach.

  • Automatische Übersetzungen: Die App Translate & Adapt übersetzt neue und geänderte Inhalte jetzt jede Woche automatisch, in bis zu acht Sprachen statt bisher zwei. Das gilt seit dem 9. Oktober für Shops in Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern. Die Funktion ist standardmäßig aus, überschreibt eure eigenen Übersetzungen nicht und übersetzt keine Rechtstexte.

  • Passkeys: Anmeldung im Admin per Passkey statt Passwort, einzurichten im eigenen Profil unter Sicherheit.

  • Analytics: eigene Notizen in Berichten, etwa zum Start einer Kampagne, und Karten, die zeigen, wo eure Umsätze herkommen.

  • Shopify Flow: Workflows starten jetzt auch, wenn sich Preis, Tag oder Metafeld eines Produkts ändern.

  • Inventur: Bestandszählungen plant ihr im Admin, Mitarbeitende scannen oder tippen die Mengen ein, und ihr prüft sie, bevor sich der Bestand ändert.

  • Versand und Zahlung: DHL-Express-Etiketten lassen sich jetzt auch in Deutschland direkt im Admin kaufen. Neu bei Shopify Payments sind unter anderem Satispay für Kund:innen in Italien und MB WAY für Kund:innen in Portugal, Alipay und WeChat Pay sind im Early Access.

Was zuerst in anderen Ländern startet

  • Einkauf über KI-Assistenten: für Kund:innen unter anderem in den USA, Kanada und Australien, siehe oben.

  • Shop Promise: ein Abzeichen für verlässliche Lieferung und Rückgabe, nur für Shops in den USA.

  • Managed Markets: internationaler Verkauf mit Zöllen und Steuern aus einer Hand, für Shops in den USA und ausgewählte Shops in Kanada und Großbritannien.

  • Steuerabwicklung durch Shopify: Shopify berechnet die Umsatzsteuer und führt sie ab, nur für neue Shops in den USA.

  • Ratenkauf mit Shop Pay Installments: neu in Australien, im Early Access.

Auszahlungen in mehreren Währungen sind neu in Australien, Frankreich, Singapur und Hongkong. Shops in Deutschland mit Advanced- oder Plus-Plan konnten sie schon vorher nutzen.

Was wir vor Black Friday angehen würden

  1. Catalog-Status und Geschäftsdaten prüfen. Das dauert keine Stunde. Verkauft ihr in die USA, nach Kanada oder Australien, hilft es sofort, für alle anderen ist es Vorbereitung.

  2. Die Aktion als Rollout anlegen. Banner, Rabatte und Preise als Event mit Start- und Endzeit, damit in der Nacht auf Freitag niemand am Admin sitzen muss.

  3. Den Checkout in Ruhe lassen. Die eigenen Felder kommen ohnehin erst nach Cyber Monday. Ändert sich vorher etwas, etwa die Darstellung der Zahlungsarten, spielt eine Testbestellung auf dem Handy durch.

  4. Sidekick für Fleißarbeit nutzen. Zum Beispiel für die Produkttexte der Aktions-Kollektion. Lest die Entwürfe gegen, bevor ihr sie veröffentlicht.

  5. Apps auf Script Tags prüfen. Das hat bis nach der Aktion Zeit, aber nicht bis März.

Fazit

Mit der Fall ’26 Edition baut Shopify den Einkauf über KI-Assistenten weiter aus. Für Shops in Deutschland ist das vorerst Vorbereitung. Rollouts, Sidekick und die Knowledge Base könnt ihr aber heute schon nutzen, und die Frist für Script Tags solltet ihr nicht verpassen. Sobald Shopify den Einkauf über KI-Assistenten für Kund:innen in Deutschland öffnet, aktualisieren wir diesen Artikel.

Ihr wollt wissen, welche Neuerungen sich für euren Shop lohnen, oder plant einen Headless-Shop oder eine eigene App? Schreibt uns.